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Warum mein kleines Unternehmen nicht mehr nach Europa exportiert

Ich bin Einzelunternehmer, weniger als 100.000 € Umsatz im Jahr. Ich entwickle, produziere und verkaufe in Deutschland. Eigentlich wäre der europäische Markt für meine Produkte offen – schließlich leben wir im Binnenmarkt. Doch die Realität sieht anders aus: Ich exportiere nicht. Nicht, weil ich nicht will, sondern weil es wirtschaftlich unsinnig ist. Der Grund: Die zersplitterte Regulierung der erweiterten Produzentenverantwortung (EPR/ERP).

Die Theorie: Nachhaltigkeit und Produzentenverantwortung

Die Theorie klingt edel: Hersteller sollen Verantwortung für Verpackungen, Elektrogeräte oder Batterien übernehmen – Entsorgung, Recycling, Umweltschutz. Das unterstütze ich voll und ganz.

Die Praxis: Jeder EU-Mitgliedstaat hat eigene Systeme, eigene Gesetze, eigene Gebühren. Und: In jedem Land, in dem ich verkaufen möchte, muss ich einen lokalen Stellvertreter (Authorized Representative) bestellen. Ohne diesen Vertreter: keine Registrierung, kein legaler Verkauf.

Für ganz Europa reden wir über fünfstellige Summen im Jahr. Für ein Einzelunternehmen mit meinem Umsatzniveau: unmöglich.

Die Praxis: ein Flickenteppich aus 27 Ländern

Wenn ein System so lange reformresistent bleibt, obwohl es offenkundig kleine Unternehmen blockiert, stellt sich die Frage: Wem nützt es?

Jedes Land hat eigene Systeme, eigene Gebühren, eigene Meldungen.

In jedem Land brauche ich einen Stellvertreter (Authorized Representative), wenn ich dort keine eigene Niederlassung habe.

Jeder Stellvertreter mit Gebüren, Abgaben, Pauschalen kostet Geld – mehrere Hundert bis Tausend Euro pro Jahr, pro Land. Ausgaben und Kostensteigerungen sind nicht planbar und werden jährlich angehoben (+100% innerhalb eines Jahres). Ein staatlich gestützes Oligopol.

Es gibt auf EU-Ebene keinen offenen Markt, sondern jedes Land hat einen Zwangsmarkt der von wenigen Firmen kontrolliert wird.

Allein wenn ich nur nach Frankreich, Spanien und Italien liefern will, habe ich schon Fixkosten im vierstelligen Bereich, bevor ich auch nur einen einzigen Artikel verkauft habe.

Sinnbild: Wegelagerer im Mittelalter

Das Ergebnis: Export unmöglich

Für Konzerne sind das Peanuts. Für mich bedeutet es: Ich bleibe auf Deutschland beschränkt. Ein europaweiter Vertrieb meiner Produkte wäre wirtschaftlich unsinnig, obwohl genau das eigentlich der Sinn des Binnenmarkts sein sollte. Statt Wachstum und Innovation erlebe ich Bremsklötze und Bürokratie.

Meine Forderung: Ein europäisches One-Stop-System

Es braucht dringend eine einheitliche europäische Lösung – so wie beim Umsatzsteuer-One-Stop-Shop. Ein zentrales Portal, eine Registrierungsnummer, ein Vertrag, keine Vertreter wenn der Hauptsitz innerhalb der EU ist. Nur so können kleine Unternehmen am europäischen Markt teilhaben, ohne unter der Last von 27 verschiedenen Systemen zusammenzubrechen.

Cui bono?

Wer hat ein Interesse, dass es noch immer kein zentrales ERP System innerhalb der EU gibt?

1. Große Plattformen (Amazon, Zalando, etc.)

Vorteil: Sie können sich den regulatorischen Aufwand leisten – eigene Rechtsabteilungen, Compliance-Teams, Verträge in allen 27 Ländern.

Effekt: Kleine Händler werden verdrängt, der Wettbewerb schrumpft. Das stärkt den Marktplatz selbst, weil die großen Verkäufer (oft FBA-Händler oder Eigenmarken von Amazon) übrig bleiben.

Nebeneffekt: Amazon verlangt von jedem Händler Nachweise. Erfolgt eine Sperrung des Händlers, füllt Amazon die Lücke mit eigenen Angeboten. Einziger Ausweg: Der Händler nutzt das Versandsystem von Amazon (FBA). Dieses System zählt zu den teuersten auf dem Markt und versetzt den Händler in die denkbar schwächste Position: Weder die Ware, noch der Finanzfluss wird noch durch ihn selbst kontrolliert. Völlige Abhängigkeit vom Monopolisten. Wird beispielsweise die Auszahlung gesperrt (gerne wegen Fehler seitens Amazon), ist weder die Ware noch das Geld da. Zum Glück "hilft" Amazon schnell mit einem günstigem Kredit aus um die "zufälligen" Ausfälle zu überbrücken. Ein Schelm, wer böses denkt..

2. ERP-Dienstleister & Stellvertreter (Authorized Representatives)

Vorteil: Das System ist ihr Geschäftsmodell. Jeder fehlende „One-Stop-Shop“ bedeutet für sie 27 potenzielle Verträge pro Kunde.

Effekt: Es entsteht eine ganze Beratungs- und Serviceindustrie, die an der Zersplitterung verdient.

Beispiel: Netzwerke wie Landbell, Reclay, Interzero leben davon, in jedem Land ein lokales Mandat verkaufen zu müssen.

3. Nationale Rücknahmesysteme & Recyclingorganisationen

Vorteil: Jedes Land behält seine Gebührenhoheit. Nationale PROs (Producer Responsibility Organisations) kassieren direkt und können nationale Besonderheiten durchsetzen.

Effekt: Mehr Einnahmen, weniger Harmonisierung. Sie hätten beim EU-weiten System weniger Gestaltungsmacht.

Die Zersplitterung ist kein „Zufall“,

sondern schafft ökonomische Vorteile für große Player und die Stellvertreter-Industrie. Ein EU-weit harmonisiertes System (z. B. One-Stop-Shop wie bei der Umsatzsteuer) würde den Kleinen helfen, aber mächtigen Interessengruppen Einnahmen und Macht nehmen.